Flow

Wer das Glück will, muss das Chaos im eigenen Kopf beherrschen.

Wer frei sein will, muss nur seine Ziele kennen.

Flow – fließendes Bewusstsein. Ein Zustand, in dem alle Schwere, alle Sorgen, Ängste und Nöte von einem abfallen.

Jeder kennt diesen Zustand, jeder möchte ihn wieder erreichen.

Jeder hat dieses Gefühl schon erlebt: über sich selbst zu verfügen, im Einklang mit sich und der Welt zu sein uns sein Schicksal in die eigene Hand nehmen zu können. Bei diesen seltenen Gelegenheiten spürt man ein Gefühl von Hochstimmung, von tiefer Freude, das lange anhält und zu einem Maßstab dafür wird, wie das Leben aussehen sollte.

Diese Veränderungen hängen nicht so sehr von äußeren Ereignissen ab, sondern eher davon, wie wir sie deuten. Glück ist ein Zustand, für den man bereit sein muss, den jeder einzelne kultivieren und für sich verteidigen muss. Menschen, die lernen, ihre innere Erfahrung zu kontrollieren, können ihre Lebensqualität bestimmen; und das kommt dem, was wir gewöhnlich Glück nennen, wohl am allernächsten.

Flow bedeutet nichts anderes, als Schweres mit Leichtigkeit zu bewältigen – die Verschmelzung von Sein und Tun.

Doch auf dem schmalen Grat zwischen Langeweile und Überforderung ist es gar nicht so einfach, die richtige Intensität für den Flow-Zustand zu finden.

Flow bedeutet auch, Ängste vor anspruchsvollen Trails zu bewältigen und zu mehr Balance und Ausgeglichenheit zu gelangen.

Als wesentliche Voraussetzung gilt dabei, dass die wahrgenommenen Anforderungen der Tätigkeit dem Fähigkeitsniveau der Person entsprechen. Der Anreiz bei einer solchen Handlung liegt nicht in erwarteten Handlungskonsequenzen (extrinsische Motivation), sondern in der Ausführung der Handlung selbst (intrinsische Motivation).

Die Anforderungen, die die Tätigkeit den Ausübenden stellt, müssen mit seinen Fähigkeiten und auch mit seiner emotionalen Leistungsbereitschaft in guter Balance stehen. Es soll ein perfektes Ineinandergreifen, ein nahezu lückenloses Übereinstimmen der Anforderung einerseits und der Fähigkeit der Bereitschaft andererseits, vorliegen.

Nach Mihaly Csiszentmihalyi (1993, 1996), dem Begründer der Flow Forschung, stellt sich dann jene Selbstversunkenheit und Selbstvergessenheit des Flow mit seinen tiefen Glücksgefühl ein, das im übrigen in Gestalt der Endorphine eine biochemische Basis hat.

Flow kann bei der Steuerung eines komplexen, schnell ablaufenden Geschehens im Bereich zwischen Überforderung (Angst) und Unterforderung (Langeweile) entstehen, wobei das Flow-Erleben individuell unterschiedlich ist. Das Handeln im Flow bedeutet, eins zu werden mit dem, was man tut.

Auf jeden Fall muss die Tätigkeit einwandfrei beherrscht werden, und die erforderlichen Fähigkeiten müssen von der gegebenen Situation auch genügend in Anspruch genommen werden. Eine zu hohe Beanspruchung, die gelegentlich durchaus ein Trainingserfordernis sein mag, aber in Richtung Überforderung gehen kann, würde ja bedeuten, dass die Tätigkeit nicht mehr einwandfrei beherrscht wird. Bei geringer Beanspruchung dagegen, scheint alles für den Flow zu passen, aber von einem bestimmten Punkt an wird die momentane Leistungsbereitschaft den Ausübenden an Unterforderung leiden lassen, was den Flow stoppt. Nicht nur die Fähigkeiten, sondern auch die Leistungsbereitschaft müssen genügend in Anspruch genommen werden.

Der Glücksforscher Mihály Csikszentmihalyi beschrieb acht Flow-Merkmale. Dabei gelten die ersten drei als notwendige Voraussetzungen und die verbleibenden fünf beziehen sich auf die Ebene des subjektiven Erlebens während der Tätigkeit im Flow.

Die 8 Elemente der Flow-Erfahrung (nach Mihály Csikszentmihalyi):

1. Klarheit der Ziele und unmittelbare   Rückmeldungen

…bieten vor allem viele sportliche Disziplinen sowie künstlerische Betätigungen. Diese gehören deshalb zu den „klassischen“ Flow-Aktivitäten. Eine Tennisspielerin weiß, was nötig ist, um ein Match zu gewinnen, die Regeln sind klar, und Erfolg wie Misserfolg einer jeden Handlung werden unmittelbar erlebt.

2. Eine hohe Konzentration auf ein begrenztes Feld

…erlaubt es, tief in eine Aktivität einzutauchen. Im Gegensatz dazu stehen eine häufig zerstreute Aufmerksamkeit und die mitunter chaotischen und widersprüchlichen Anforderungen des Alltags, die daher ein Gefühl der Verwirrung und Unzufriedenheit hinterlassen können.

3. Das Verhältnis zwischen Anforderungen und Fähigkeiten

Der Schwierigkeitsgrad einer Aufgabe muss im richtigen Verhältnis zu den Fähigkeiten der handelnden Person stehen. Eine zu große Herausforderung führt zu einem Gefühl der Anspannung, Angst und Frustration, eine zu kleine erzeugt Routine und Langeweile.

Flow-Erleben ereignet sich also in einem Bereich, der durch die Pole Unter- und Überforderung markiert ist.

 

4. Das Gefühl von Kontrolle

Charakteristisch für den Flow-Zustand ist ein verstärktes Gefühl von Kontrolle über die eigenen Handlungen. Der Begriff Kontrolle ist vielschichtig und weckt Assoziationen wie „zwanghaftes Beherrschen“ oder „scharfes Aufpassen“. Dem Kontrollgefühl im Flow haftet aber nichts Zwanghaftes an. Es ist vielmehr ein integraler Bestandteil der Flow-Erfahrung und bezeichnet einen Zustand der Gelöstheit und Angstfreiheit.

5. Die Mühelosigkeit des Handlungsablaufs

Die Leichtigkeit des Handlungsablaufs gab der Flow-Erfahrung ihren Namen. Alles läuft harmonisch und mühelos, auch wenn die Aktivität, wie z. B. ein Tennismatch oder das Spielen eines Solokonzertes, von außen betrachtet einen beträchtlichen Energieeinsatz verlangt. Subjektiv ist sich der Handelnde aber keiner besonderen Anstrengung bewusst, die Tätigkeit verläuft glatt und wie aus einer inneren Logik heraus.

6. Die Veränderung des Zeiterlebens

Im tiefen Flow ist das normale Zeitgefühl aufgehoben. Es kommt im Erleben zu Zeitraffungen und -dehnungen: Eine Minute fühlt sich an wie eine Stunde, Stunden vergehen wie im Flug. Man spricht daher auch von einem „zeitfreien“ Flow-Modus.

7. Das Verschmelzen von Handlung und Bewusstsein

Als Folge einer vollständigen Konzentration auf eine Tätigkeit kommt es im Flow zu einer Verschmelzung von Aktivität und Aufmerksamkeit. Diese Erlebnisweise lässt keinen Raum mehr für Sorgen, Ängste und Überlegungen, die sich um die eigene Person ranken. Der Handelnde erlebt sich nicht mehr als getrenntes, isoliertes Selbst, er ist eins mit seinem Tun. Dieses Einheitsgefühl kann sich sowohl auf die unmittelbare Umgebung (Natur) wie auch auf eine Gruppe von Menschen ausdehnen, sofern es sich um eine gemeinschaftlich mit anderen ausgeübte Tätigkeit handelt (Team-Flow).

8. Die autotelische Qualität der Flow-Erfahrung: IROI

Von griechisch autos – selbst und telos – Ziel. Nicht erst das Ergebnis einer Handlung ist befriedigend, sondern bereits das Tun selbst. Anders gesagt: Das Ziel der Tätigkeit liegt zu einem großen Teil bereits in der Handlung selbst. Handeln im Flow ist also „Immediate Return on Investment“!

Wenn wir im Flow sind, sind unser Fühlen, unser Wollen und unser Denken in diesen Augenblicken in Übereinstimmung. Während wir der Tätigkeit nachgehen, spielen für uns weder die Zeit, noch wir selbst eine Rolle und das Handeln geht mühelos vonstatten. Viele Tätigkeiten können Flow erzeugen.

„steady state“ – Kriterien:

Du bist der Aktivität gewachsen

Du spürst eine Herausforderung, es braucht entsprechende Fähigkeiten, die Herausforderung und die Fähigkeit passen zusammen.

Du bist fähig, dich auf dein Tun zu konzentrieren

Du konzentrierst dich vollständig, bist nicht abgelenkt, lässt dich nicht ablenken. Du hinterfragst die Aktivität nicht. Gleichzeitig (oder auch: dadurch) sind die Sorgen des Alltags aus dem Bewusstsein verdrängt.

Die Aktivität hat deutliche Ziele

Du weißt, was du tun musst, um das Ziel zu erreichen.

Die Aktivität hat unmittelbare Rückmeldung

Du weißt oder erfährst, wann du etwas richtig oder falsch gemacht hast.

Du hast das Gefühl von Kontrolle über deine Aktivität

Dabei ist es nicht wichtig, ob du tatsächlich die Kontrolle hast – dein Gefühl für die Kontrolle ist entscheidend.

Deine Sorgen um dich selbst verschwinden

Die Bewusstheit von sich selbst geht verloren. Manchmal erlebt man die Ausweitung des Selbst über die Körpergrenzen hinweg. Es ist keine Zeit zur Selbsterforschung – du bist einfach.

Dein Gefühl für Zeitabläufe ist verändert

Du hast das Gefühl, dass die Zeit schneller vergeht. Diese Bestandteile gelten für alles im Leben: für die Arbeit, das Hobby, die Sportaktivitäten, unsere Partnerschaft oder den Freundeskreis.

Für dauerhafte Zufriedenheit spielen Wachstum bzw. Weiterentwicklung eine wesentliche Rolle. Eine Mahlzeit mag hervorragend schmecken – wenn du sie immer wieder isst, verliert sie ihren Reiz. Deine Arbeit mag dir gefallen – wenn sie tagaus tagein immer gleich bleibt, wird sie langweilig. Unser Partner mag uns faszinieren -wenn wir uns nicht gemeinsam weiterentwickeln, kommt es wahrscheinlich zur Krise.

In den Selbstbeschreibungen des beglückenden Zustands kommt immer wieder das Fließen, das Schweben, das Abgehobenseins vor: „Ich wurde wie von einer Welle getragen“, „es gab keine Gefahren, keine Anstrengung, keine Müdigkeit mehr, nur noch mühelose Leichtigkeit“, „ich glitt dahin wie im Traum“.

Ich möchte dir hier zwei Beispiele von subjektiven Flow-Empfinden des österreichischen Skispringers Thomas Morgenstern geben:

Die Abgehobenheit ist der die Konzentration, die anstrengungslose Konzentration, auf ein ganz begrenztes Feld, auf einen winzigen Ausschnitt der Welt, der aber für den Ausübenden während dieser Tätigkeit seine ganze Welt ist. Sie beherrscht er, sie überblickt und durchschaut er, sie ist ihm völlig untertan, Sorgen und Gefahren bleiben draußen, ebenso wie übergeordnete Ziele, Nutzenerwägungen oder Belohnung. Es ist der Flow, der lang andauernde Belastungen, wenn sie nicht zur Plackerei werden sollen, überhaupt erst möglich und erträglich macht, sie zum erstrebenswerten Ziel werden lässt.

Subjektives Flow-Empfinden

Jeder von uns erlebt Flow anders. Allerdings gibt es einige Punkte, an denen sich der Flow-Zustand ausmachen lässt:

  • Wir haben das Gefühl von voller Kontrolle über unsere Aktivität.
  • Die Ausführung der Tätigkeit erzeugt ein Gefühl von Mühelosigkeit. Unsere Sorgen um uns selbst verschwinden. Es entsteht ein intrinsisches (von innen heraus) Glücksgefühl.
  • Unser Gefühl für Zeitabläufe ist verändert. Wir sind sehr stark gegenwartsorientiert. Die Zeit scheint zu verfliegen. Gefühle wie Hunger oder Müdigkeit treten in den Hintergrund.
  • Handlung und Bewusstsein verschmelzen ineinander.

Warum du im Flow produktiver bist

Die Gründe die dahinter stecken sind folgende:

  • Du empfindest Motivation durch Neugierde: Diese Neugierde treibt dich an und gib dir einen unheimlichen Produktivitätsschub.
  • Du siehst Problemlösung als Herausforderung: Das Problem stellt in diesem Zustand keine Hürde, sondern ein Sprungbrett für dich dar. So gehst du voller Elan an diese Aufgabe heran und löst sie auch schnell. Außerhalb des Flow würdest du dich nur mit großem Respekt und sehr langsam an dieses Problem oder Hindernis annähern.
  • Du bist proaktiv: Im Flow-Zustand bist du automatisch proaktiv und nicht passiv oder nur halb aktiv. Du greifst die richtigen Arbeiten an und setzt die richtigen Hebel in Bewegung. Alles geht so viel schneller und viel produktiver voran.
  • Flow ist der größte Feind von Stress: Im Flow wirst du keinen Stress empfinden, sondern ganz im Gegenteil ruhig und entspannt arbeiten. Natürlich fördert auch das deine Produktivität.

Was passiert wenn du im Flow bist

  • Es geht etwas Magisches vor, wenn du dich in diesem Zustand befindest. Allerdings bekommst du von dieser Magie nur wenig mit, wenn du nicht darauf achtest.
  • Im Flow gehst du voll und ganz in deiner Arbeit auf. Du bist sogar völlig darin vertieft und nimmst rund um dich herum nichts mehr war.
  • Körperliche Anzeichen für den Flow-Zustand sind die optimale Synchronisation von Herzschlag, Atmung und Blutdruck. Erkennbar ist das anhand der Herzratenvariabilität.

Wie du den Flow-Zustand erreichst

Man kann diesen Zustand natürlich auch willentlich herbeiführen, oder zumindest die nötigen Voraussetzungen dafür schaffen. Dazu müssen einige Punkte erfüllt sein:

  • Anforderung und Fähigkeit muss in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Es darf weder Langeweile noch Überforderung stattfinden (siehe Grafik unterhalb).
  • Es muss ein Ziel geben: Durch das Ausführen der Aktivität muss ein vorher gesetztes Ziel erreicht werden.
  • Konzentration auf das tun: Wir müssen fähig dazu sein, uns auf das tun zu konzentrieren. Daher gilt es so viele Störquellen wie möglich auszuschalten oder zu minimieren.
  • Es muss ständige Rückmeldung geben: die Aktivität liefert eine unmittelbare Rückmeldung, wir wissen, ob wir etwas richtig oder falsch gemacht haben. Sie kann aber auch selbst belohnend sein, wie zum Beispiel das Spielen.

Erfolg ist planbar! Zukunft beginnt heute!

Versuchs, du wirst überrascht sein!

Claudia

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